Segelyacht Stenella

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Sommertörn 2016, Teil 6

der Schattenplatz auf de Sonnendeck


Morgens in Rogoznica erwarten wir wieder Wind aus WNW. Die Frage ist, wann er einsetzt. Inzwischen ist es ja auf See und in den Häfen und Buchten so voll geworden, dass man, wenn man nicht schon morgens per Handy einen Platz reserviert, ab 1500 Probleme bekommt, überhaupt einen Ankerplatz oder eine Mooring zu bekommen. Außerdem wird es wohl auf dem Weg nach NW wohl nicht für einen Anlieger  reichen, also muss die Tour so geplant werden, dass ein möglichst langes Bein auf der Kreuz und ein bis zwei Holeschläge draus kommen. 

Gegen 1030 legen wir ab, noch unter totaler Flaute und ansteigenden Temperaturen. Unter Maschine geht es erstmal aus dem Hafen, aber schon nach einer Stunde kommt genügend Wind auf, dass die Segel gesetzt werden können. Inzwischen setze ich zunächst die kleine Selbstwendefock und wenn es nicht reicht, wird die große Genoa zusätzlich ausgerollt. An der Kreuz ziehen beide unabhängig, offensichtlich, ohne sich gegenseitig zu stören, ähnlich wie Kutterfock und Flieger. Vor einer Wende rolle ich den großen Lappen zu 2/3 ein, löse die Schot, das Segel fällt in der Wende gegen die Kreuzfock und geht locker über Stag. Dann wird auf dem neuen Bug das Segel wieder ausgerollt, die neue Leeschot dicht geholt und Stenella nimmt sofort wieder Fahrt auf. Ich kann wesentlich schneller wieder an die Windkante heran steuern. Bei mehr als 14kn. Wind kann die Genoa eingerollt bleiben, dann zieht die Kreuzfock genügend, um über 6kn Fahrt zu machen.. Aber auch wenn’s im Fahrwasser eng wird und die Kreuzschläge kürzer, bleibt die Genoa „drin“: die alte Dame mit ihren 18to. Gewicht und dem immerhin gemäßigten Kurzkiel mit Skegruder dreht dann in weniger als 15sec. durch den Wind, ohne wesentlich an Fährt zu verlieren 🙂 So machen dann auch Kreuzgänge in engen Fahrwassern mit kurzen Schlägen richtig Spaß.

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Nach etlichen solcher Kreuzschläge haben wir uns bis zum späten Mittag bis auf die Höhe von Kaprije vorgearbeitet. Nach Kakan will ich nicht wieder, die Hafenbucht ist garantiert knackvoll mit Charterern, die hier ihren letzten Abend verbringen, bevor es morgen nach Biograd, Murter oder Sukošan weitergeht zum Auschecken. Also versuche ich unseren Geheimtipp vom letzten Jahr, die Südbucht von Kaprije, die Uvala Mala Nozdra mit zwei total idyllisch hergerichteten Konobas: Das G8 (was immer das zu bedeuten hat) und das „Matteo“ (dessen Besitzer schon älter und dessen Sohn laut verfügbaren Unterlagen wohl immer betrunken ist). Wir gehen trotzdem dort essen, weil wir an seiner Boje hängen. Das Wasser ist hier besonders „helltürkis“ und ich bade von Bord ausgiebig. Abends probiere ich etwas Neues aus: „Peka“, eine Art Kartoffel- Gemüse- Eintopf, der in einer hohen Pfanne unter einer Eisenglocke bei mäßiger Hitze 3 Stunden vor sich hin köcheln muss, bis er serviert wird. Ich bestelle eine Fisch- Peka vor, weil ich keine Lamm- Peka mag, die die Alternative wäre. Sie besteht aus Kartoffelstücken, Zwiebeln, Karotten, Zucchini, Kräutern, Knoblauch, und eben Lammfleisch Brocken oder einem ganzen Fisch, der drüber gelegt wird. Das Essen war superlecker! Aber ich habe noch zwei Tage später gestunken wie ein Kneipp- Kurgast 😉 Die Bewertungen den Wirt betreffend und angebliches Gebahren beim Abkassieren von Nutzungsentgeld für die Bojen, kann ich nicht nachvollziehen. Der Junior gab von seinen Bewegungsabläufen her zwar so den „Jack Sparrow“, was Alkoholkonsum nahelegt, aber er war ausnehmend freundlich zu uns. Ein besonderes Schauspiel bot sich uns dann noch im Verlauf des Abends, als ein Mann mit einem ca. 60kg. schweren Thunfisch aus seiner Galletta ausstieg, den Prachtkerl neben dem Grill auf der Terasse an einen Haken hing und anschließend vor den Augen der Gäste ausnahm und zerteilte. Was mich erstaunte: auf meine Nachfrage hin, ob das nicht eine enorme Ausnahme sei, meinte der Kellner nur lapidar, „nein, der fängt fast jeden Tag einen, wir hatten neulich einen mit über 80kg.“ Also scheint sich der Bestand auch an diesen tollen Tieren langsam zu erholen. Ich werde das mal versuchen nachzulesen. 


Am nächsten Morgen gehen wir relativ früh um 0930 von der Boje, weil wir schon ein bisschen Wind haben. Wir motoren erst an Kaprije vorbei Richtung NW und stellen dann um auf Segelbetrieb. Gegen 1400 haben wir die Südspitze von Pašman passiert. Mit uns erkämpfen sich noch einige andere Segler den Weg nach Luv. Stenella hält sich tapfer, lediglich eine neue  große Hanse ist in quasi nullkommanix an uns vorbei, nicht nur deutlich schneller, sondern auch mit erstaunlicher Höhe am Wind. Inzwischen ficht mich das nicht mehr an, wir fahren ja einen „Klassiker“. Mit der Comfortina 42 hätte ich alle Hebel, Strippen und Strecker in Bewegung gesetzt, um nur keinen Meter zu verschenken, egal wie groß und schnell der „Nachbar“ an der Kreuz ist….. Merke: MIT dem Wind segelt auch ein vom Frachter gefallener Maersk- Container noch ganz ordentlich …. 


Jetzt wird es mühsam und wir biegen in die große (und deshalb bestimmt nicht ganz volle Hafenbucht von Zut ein. Inzwischen ist ja auch Freitag, die Charterer müssen zurück in ihre Ausgangshäfen, sodass an den Bojen und Stegen der ACI noch etliche Plätze zu haben sind. Auch die drei Restaurant- Stege  bieten noch Platz. Aber: der erste Konobar hat uns schon vor zwei Jahren enttäuscht, der zweite mit den livrierten Kellnern hat preislich einen Dachschaden, sowas muss man nicht unterstützen und den Dritten vorne  in der Bucht kennen wir zwar nicht. Aber er ist am wenigsten frequentiert und deshalb gehe ich an diesem Abend kein Risiko ein und wir machen am ACI Steg fest. Das Essen im Marina- Restaurant enttäuscht allerdings dann auf ganzer Linie, was ich entweder nicht mehr in Erinnerung hatte, oder die sind deutlich schlechter geworden! Schon die Karte ist von schlichter Einfalt zu gepfefferten Preisen geprägt. Okay, beim nächsten Mal geht’s in die linke Ecke der Bucht, den abseits gelegenen Konobar testen…Das Erlebnis von Zut ist aber etwas anderes: um 0000 erstirbt der Generator. Nur neben uns die Tschechen auf dem „Schattenspender“ (großes Motorboot mit hohen Decksaufbauten) wollen nicht einsehen, dass ab 0000 kein Strom mehr aus der Steckdose kommt. Sie haben zwei (!) fingerdicke Kabel verlegt, eins für die Klimaanlage, eins für den Rest der üppigen Elektrik, beide liefern aber nicht mehr. Der Skipper lässt durch Sohnemann nach eingehender Prüfung der Situation den Bord-Generator anwerfen, was mit ordentlich Caterpillar- Dezibel erkauft werden muss. Erst als ich ihm zu verstehen gebe, dass ich so nicht schlafen kann, sein Sohn mir übersetzt, dass er ohne Klima nicht schlafen kann, stellt er mürrisch seine Stromversorgung aus. Danach herrscht nicht nur eine herrliche Ruhe, sondern auch absolute Dunkelheit und mein Blick klebt am Firmament. Die Milchstraße ist bei solchen Bedingungen sehr schön als „Straße“ auszumachen, weil keine nahen Lichtquellen das Schauspiel stören. 

Sa. 30.7.2016: Rolling Home! Luftlinie sind es nur wenige sm bis zu unserem Stammplatz in der Olive Island Marina, aber wir müssen ja noch um Uglijan herum fahren. Die Wetterbedingungen sind wieder die selben, wie in den Tagen zuvor, also werden wir hoffentlich noch ein bisschen kreuzen üben. Ablegen ist um 1100 und die ersten Meilen wird motort. Kurz bevor wir an Zut vorbei sind stelle ich die Maschine ab und die Segel sind gesetzt, ein langes Bein kann über den Kanal nach NW angelegt werden. Da passiert es: eine ganze Schule Delfine kommt direkt zu unserem Boot, taucht drunter durch, sie springen neben uns aus dem Wasser und spielen mit uns. Es ist toll, dies mit anzusehen! Als ob sie sich für unser Verhalten bedanken wollen :-)). ….. Nach wenigen Minuten ist das Schauspiel vorbei, die Tiere haben das Interesse an uns schnell verloren, Stenella kann ja nicht mitmachen bei der Dollerei. 

Es Folgt noch ein interessanter Kreuzgang durch das enger werdende Fahrwasser nach Edersse- Taktik: Immer, wenn wir in Landnähe kommen, reizen wir die Windkante noch voll aus und nutzen die Schraler aus, die an den Bergen entlang säuseln, das bringt jedesmal noch einmal richtig Höhe. 


Nördlich Uglijan unter Jockel und mit gesetzten Segeln noch schnell durch „Scylla und Carybdis“ mit Strudeln und gurgelndem Wasser, bedingt durch die Meerenge, um die Ecke rum, Bug nach Süden noch eine knappe Stunde Schmetterling und wir sind wieder im Heimathafen. 

Fazit der Reise:

Wie beschrieben, war die heiße Witterung das eindrücklichste Phänomen. An zweiter Stelle steht der in dieser Zeit nicht mehr zu ignorierende Massentourismus, der nach den ganzen Anschlägen und den Ereignissen in der Türkei für uns wirklich belästigende Ausmaße angenommen hat. Bedingt dadurch kreuzten sich zwei Faktoren: Der Wind setzte später ein, als ich in den vergangenen Jahren registriert hatte, die Häfen waren aber schon nachmittags voll, was kurze Reisezeiten und Etmale generierte und lange Strecken unter Motor. Kochen auf dem Schiff war unzumutbar durch die Hitze, was die Reise teurer gemacht hat, als ich geplant hatte. 

Ansonsten: Die Inseln wunderschön wie immer, das Land weniger Grau und verbrannt durch mehr Niederschläge im Frühling und Frühsommer, die Festlandküste, die Makarska- Riviera, ist im krassen Gegensatz zu dem Artikel der Yacht eine Partymeile und kein lohnendes Ziel. Allerdings würde ich diesen Abschnitt der Reise im Juni oder September sicherlich wie in der Yacht beschrieben erlebt haben. Die Restaurants haben sich überall im Durchschnitt deutlich verbessert, das Angebot wird auch in Kroatien immer vielfältiger. Man experimentiert inzwischen auch schonmal mit Saucen, differenzierte Gerichte finden Eingang in die Karten und ein wesentlicher Anreiz ist durch die Bewertungsmöglichkeiten nicht nur im „Beständig“ gegeben, sondern auch in den einschlägigen elektronischen Helferlein, die als App aufgerufen in Sekundenschnelle die besser bewerteteten Lokale, Häfen, Bojenfelder. etc. liefern.

Hier die Portale, die wir genutzt haben, um Informationen zu beschaffen:

http://www.tripadvisor.de

die „Boating“- App von Navionics, die inzwischen sehr vielfältige Möglichkeiten bietet, Community- Wissen zu bündeln

http://www.my-sea.com: neues Portal im Aufbau, aber schon gut gefüllt mit jeder Menge Infos und Bewertungen! Diese App kann ich schon sehr wärmstens empfehlen!

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Sommertörn, Teil 5:

Der Bug zeigt wieder in Richtung Norden:

Nach der Begegnung mit den Delfinen kam auch endlich etwas Wind auf: immerhin 4-4,5 kn. Schaffen wir bei 6-9kn. Wind, zuerst aus W, dann WNW. Es reicht zunächst gerade so eben für einen Anlieger, aber als der Wind nördlicher als W einfällt, haben wir ihn mal wieder exakt aus der Richtung, in die wir wollen. Als er auch noch wieder schwächer wird- wir haben uns entschieden, „untenrum“ an Śolta vorbei nach Maslinica zu gehen- setzen wir wieder unseren Eisenklotz in Bewegung und Motoren die letzten Meilen an diesem Tag nach Maslinica. Mittlerweile zeigt der Bug ja wieder Richtung Heimathafen. 


Die Strandbar am nördlichen Kap der Bucht von Maslinica ist der ideale Ort für einen Sundowner. Hier mit unserem Freund und Bootsmann „Dudie“ 🙂

Für ausgedehnte Spaziergänge ist es zu heiß!


Reisezeit, Witterung und was da alles dranhängt:

Mitte Juli bis weit in den August hinein in den Gewässern der Adria zu kreuzen, ist kein reines Vergnügen mehr. 

Zunächst: es war schon immer in dieser Zeit sehr heiß, aber wenn man schulpflichtige Kinder hat und sie mit an Bord haben will, kommt man um diese heißen Tage nicht herum. Auch spürbar: Es ist nochmal deutlich heißer und dabei öfter drückend schwül, als vor 30 Jahren. Und: Wir sind keine 30 mehr, wo dem Kreislauf so etwas nichts ausmacht. Jedenfalls haben wir unseren Törn „im Schweiße unseres Angesichts“ verbracht. Auf See ist das alles noch erträglich, aber schon die Vorbereitung und Durchführung des Anlegemanövers ist eine derart schweißtreibende Angelegenheit, dass mir die Tropfen aus der Kappe und den Augenbrauen laufen und die Kleidung komplett durchnäßt ist. Man schüttet literweise Flüssigkeit nach, aber nur ein Bruchteil davon geht wieder den Weg ins „Porzellan“. Und wehe, man muss wegen irgendetwas in den Maschinenraum kriechen, wenn der Motor schon zwei Stunden Arbeit hinter sich hatte….

Kochen oder Aufenthalt unter Deck ist nur kurz möglich. Das Leben und Essen spielt sich unter der Passerelle ab.

Abends nach Sinnenuntergang noch immer über 30 Grad!

Die Masse an Menschen unterschiedlichster Herkunft, das Sprachengewirr und Durcheinander in den Städten und Touristen- Hotspots ist für sich zwar zuweilen anstrengend, aber noch nicht mit Stress verbunden, sondern eher interessant, oft lustig und zuweilen skurril. Jedoch bei 34 Grad im Schatten, Laufdecks und Straßenpflaster, das kochend heiß ist und mit genervten und ebenfalls körperlich überforderten Kellnern ist es Stress. Am letzten Juliwochenende erreicht dieses Geschehen seinen Höhepunkt: Ferragosto! Die Italiener fallen in Kroatien ein. Ab Samstag Abend, je nachdem, ob sie von Ancona, Rimini oder dem Gargano aus losgesegelt sind, brechen sie unter lautem Getöse, gestikulierend in die Inselwelt Dalmatiens ein und bevölkern die letzten freien Plätze in den Buchten und Restaurants.
Seit Makarska trafen wir eins von diesen Schiffen, die sonst mehr oder weniger Platz für 20-30 Touristen bietet, im Auftrag des „Ministeriums für Tourismus und Kultur“, immer wieder in den Häfen. Sie bauten eine Art mobilen Buchladen auf, boten Bücher, Comics und diverse Publikationen in kroatischer! Sprache. Dazu garniert wurden kleine Aufführungen, Lesungen aus den Büchern für Kinder und Musik- Auftritte auf dem Hafenkai. Etwas laut war es manchmal in der Nähe, aber wir lagen weit genug weg, um die seltsame Folklore nicht als allzusehr störend zu empfinden. Aber als wir das zweite Mal auf dem Rückweg in Rogoznica leider direkt neben dem Kulturdampfer anlegen mussten, weil schon nachmittags alles belegt war, feierte der Staff auf dem Kahn ausgelassen zu Pop- Musik a la „Chickitita…“, bis mir abends der Kragen platzte und ich den Captain verlangte und ihm zu verstehen gab, dass ich eine Mail an das Ministerium schreibe mit der Beschreibung dessen, was ich hier sehe. Und dass ich es höchst seltsam finde, dass ein Projekt vom Tourismus- Ministerium gefördert wird, das lediglich von Einheimischen verstanden wird. Sofort war Ruhe! 
Aus diesen vorgenannten Gründen haben wir beschlossen, den Törn schon eine Woche früher zu beenden. Wir werden in Zukunft den Mittelmeerraum zwischen (spätestens) Mitte Juli und Ende August meiden. 

… Bonnie sucht Schutz beim Skipper, was aber leider noch eine zusätzliche Wärmequelle bedeutet. Hunde können ja nicht schwitzen. Vor- oder Nachteil? 😉

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Sommertörn,Teil 4:

Makarska hat investiert. Die Mole bietet nun optimalen Schutz vor Schwell, der vorher oft in den Hafen stand. Da das aber auch die vielen Tourie- Schiffe registriert haben, liegt an diesem Samstag eine große Flotte dieser Party- Dampfer hier fest. S wir am Nachmittag gegen 15.00h ankommen, wirkt alles in der gleißenden Sonne noch verschlafen und provinziell. Das ändert sich praktisch pro Stunde. Ein Partyschiff nach dem anderen legt unter brüllenden Bests neben uns an, die Promenade füllt sich und die Lokale nehmen nur mit Mühe die tausenden junger Leute auf, die vom Strand, den Schiffen oder ihren Unterkünften kommen. 

Wir essen mehr schlecht als recht in der Altstadt. Als die Sonne untergegangen ist, bricht auf der Promenade der Teufel los. Man will uns mit aggressiven Techno- und Rave- Rhythmen, die unverschämterweise auch noch dem Sound meiner eigenen Jugend geklaut sind, wahrscheinlich im Hafen versenken. Die dröhnenden Lautsprecher sind unerträglich. Hätten wir die Hunde nicht und hätten wir das (unverschämt hohe)Liegegeld nicht schon bezahlt, ich wäre noch in der Nacht ausgelaufen. Hoffentlich behalten die Hündchen keinen bleibenden Schaden von dem Lärm.  

Morgens ist aus der Partymeile wieder eine verschlafene Provinzstadt geworden. Wir suchen das Weite. Ziel ist 

Vrboska im Norden von Hvar. Wir laufen spät aus, weil wir einfach zu kaputt sind, um früh aufzustehen. Es ist schon um 11.00 unerträglich heiß und drückend. Kein Lüftchen weht. Wir versuchen Vrboska, ein kurzer Trip und eine Marina mit Städtchen. Unterwegs briest es doch auf und auf der Hälfte der Strecke hat der Wind schon 20kn. erreicht. Natürlich vierkant von vorne. Wir nehmen die kleine Kreuzfock und das Groß zum kreuzen, aber zufrieden mit der Geschwindigkeit bin ich nicht. Als wir die Genua setzen, zieht sie uns mit etwas mehr als 5kn. durch’s Wasser, aber das Schiff holt ganz schön über. 4 sm. vor Vrboska schalte ich den Motor wieder hinzu, damit wir die nötige Höhe gewinnen. 

Ich würde auch gerne wieder irgendwo ankern, aber der Wind nimmt auf über 25kn. zu, sodass wir in die Marina gehen. Wir haben ordentlich Seitenwind, der Marinero ist angewiesen, zuerst die Luv- Heckleine zu fixieren, damit ich mit Maschine und Bugstrahler gegenhalten kann, bis auch die erste Mooring sitzt. Der Typ gibt uns zwar die falsche Mooring und die andere ist unter Wasser vertüddelt, aber ich liege ja an der Luv- Heckleine fest. Trotzdem muss Peter ganz schön asten, um alle Leinen dicht zu holen. 



Delfin Sichtung vor Hvar:

Nach dem Auslaufen am nächsten Tag haben wir ca. 3sm. NNW der Hafenbucht von Vrboska  wieder einmal Delfine gesichtet. Bitte jede Sichtung melden! Wir sahen die Tiere auf der Strecke von Vrboska nach Šolta, als sie von einem Ausfligsdampfer ebenfalls wahrgenommen wurden. Der drehte sofort um und verfolgte die Tiere unter dem hysterischen Geschrei Dutzender Urlauber, was die Delfine sofort verschreckte. Bitte niemals auf die Schule zu fahren, es sind Wildtiere, die ihre Ruhe brauchen.


Der Tourie- Dampfer hatte übrigens weder Kennung noch Namen am Rumpf (Verstoß gegen das Seeerecht!) , sonst hätte ich das zur Anzeige gebracht!  Hier der Link zu der Organisation meines Vertrauens, gegründet von Rollo Gebhardt, deutscher Weltumsegler: http://www.delphinschutz.org 

Im Trend sind die alten Arbeitsboote der Kroaten, Gallettas. Diese stäbigen kleinen Segler mit Lateinerrigg werden immer öfter liebevoll gepflegt und restauriert. Die Eigner segeln in Regatten um die Wette oder nur mal eben zum Spaß einen Feierabend- Törn aus dem Hafen. Früher wurden damit Ziegen und Brennholz oder Lebensmittel auf die Inseln gefahren oder sie wurden zum Fischfang benutzt. Heute sind sie begehrte Sammlerstücke. Oldtimer eben 😉

Nur 100m. vom Trubel entfernt wird es in dem Ort richtig idyllisch. Hier zeigt sich ganz selbstverständlich das alte Kroatien, dem weder Sozialismus, noch Krieg oder gar die Tourismzs- Maschinerie etwas anhaben können. 

Wein- Einkauf im hinteren Teil des Hafens vom Erzeuger. Schmackhafter Tropfen!

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Sommertörn ab 9.7.2016: Teil 3

In Rogoznica sind wir nun 4 Tage hängen geblieben. Starkwind, erst aus S, dann aus NO, die Bora machte ein Auslaufen unmöglich. Am Mo. Liegen wir dann gleich in Tichtung Trogir aus, weil die Mädels zum Flieger gebracht werden mussten. 

In Trogir hat sich einiges getan seit unserer Zeit in der Baotič Marina. Auf der gegenüberliegenden Seite im Werftgelände ist eine moderne Marina entstanden mit allem Komfort und gutem Service, da die Handwerker zur Werft gehören. Die Stadt hat nichts von ihrem Charme eingebüßt, trotz der noch größeren Menschenmassen, die sich täglich durch den Ort schieben. 

Wir warten auf Peter „Dudie“, der am Donnerstag mit dem Bus in Trogir ankommt. Übrigens eine praktikable und vor allem billige Möglichkeit, nach Dalmatien zu kommen: rund 50,-€ für die einfache Fahrt ist unschlagbar, wenn man Zeit hat, von München über Nacht 15 Stunden einzukalkulieren. 

Am Mittwoch legt Clemens, Be Dhinghi aus dem Fatzebook, den wir schon in Rogoznica treffen wollten, abends bei Einbruch der Dunkelheit neben uns an. Kurzes hallo muss aber reichen, er muss arbeiten, hat Crew dabei, die es zu bespaßen gilt. 

Am nächsten Morgen versuchen wir nochmal, die leicht leckende Stopfbuchse (Plastikmutter um den Ruderkoker) mit dem mitgebrachten Doezialschlüssel dichter zu ziehen, aber sie bewegt sich kein Jota. Dann müssen wir halt alle paar Stunden mal einen Schwamm Wasser aus der Umgebung des Ruders entsorgen. 


Danach geht’s aber endlich wieder auf Törn. Wehte beim Ablegen noch eine leichte Brise, schläft der Wind kurz danach komplett ein. Wir Motoren also wieder. Ziel ist die Makarska- Riviera. Die Fahrt an der Küste entlang bis Omiš verläuft unspektakulär. Die „Yacht“ schreibt in einer ihrer letzten Ausgaben, dass das Gebiet der Küste von den meisten Yachties links liegen gelassen wird und wundert sich, warum …. Wir sind gespannt. 

In Omiš angekommen,  ist die Mole mit Ausflugsdampfern belegt. Wir werden auf die „Anchorage“ geschickt. Hmm… Das stand in der Yacht schonmal anders. Aber der Ort hat auf den zweiten Blick echt was. Den ersten Blick trübt die Tatsache, dass eben die Küste von den Hotel- und Pensionstouristen komplett überlaufen ist. Zusätzlich steigt in der Stadt gerade ein Festival, sodass alles auf den Beinen ist was laufen kann. Wir entschließen uns, die Flussmündung mit dem Gummuschwein mal ein Stück hoch zu fahren:Superentscheidung! Unter Brücke durch (Kopf einziehen) um die erste Ecke rum wird’s sofort wild romantisch. Wir fahren auf klarem sauberen Süßwasser, an den Seiten wächst Schilf und am Ufer Vögel, ein paar Angler und schroffe steil abfallende Berge. Winnetou lässt grüßen 😉

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Abends drücken wir uns in die Altstadt, essen recht gut auf einem kleinen Platz im Getümmel und fahren spät zurück. Inzwischen erhalten wir von unseren „Helferlein“ aus der Hosentasche Schreckensmeldungen aus München. Amelie hat sich auch gemeldet. Es geht ihr gut. Das Ganze Drama hatte sich in einem Einkaufszentrum abgespielt, wo sie sich oft aufgehalten hatte. 

Auch am Samstag ist das Wasser glatt und kein Lüftchen regt sich. Nachdem die Hunde „versorgt“ sind ….


… Und wir gut an Bord gefrühstückt haben, geht es die Küste entlang nach SO. Wir wollen in Vrulja vorbei, um das in der „Yacht“ angekündigte Sprudelwasser aus den unterseeischen Quellen zu sehen, aber es regt sich nichts unter uns, als wir in der weiträumigen Bucht ankommen. Ankern ist beidem tiefen Wasser auch nicht möglich, also fahren wir weiter nach Makarska. 

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Sommertörn ab 9.7.2016: mal wieder vier Wochen an Bord, Teil 1

 

 

Crew: Petra, Amelie, Lotte (Freundin von Amelie). Die beiden Mädchen bis zum 19.7.
Es braucht seine Zeit, erstmal wieder in den „Kroatien- Modus“ überzuwechseln. Am Samstag will ich noch eine Besorgung im Ship- Shop machen. Zwei Dinge, die ich benötige: Kettenmarkierungen und Hydrauliköl für die Ankerwinde. sie Suppe etwas und ich muss etwas nachkippen, wenn ich die Winde nicht kaputt machen will. Aber der Laden hat am Wochenende dicht. Mit dem „Pirat“ Clemens, dem segelnden Freund aus den Tagen in Trogir, der sich jetzt ganz auf das Skippern, auch beruflich, verlagert hat, versuchen wir in den nächsten Tagen, uns zu verabreden. Es ist unglaublich heiß und jede Anstrengung, ob körperlich oder geistig, fällt schwer. Es ist mal wieder Wetter zum „Hirnverbranntwerden“ aus Süd. Die Kroatienkenner wissen, was ich meine…..

 

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Das erste Bier in Sutomiščica

Montag, 11.7. Zwischenstopp in Biograd
Gerade nach dem Ablegen meldet sich der Splitter in Amelies Fuß und sollte behandelt werden. Hierzu benötigen wir etwas Jod und Desinfektion. beides haben wir nicht mehr an Bord. Offensichtlich haben wir das mit den restlichen abgelaufenen Medikamenten ebenfalls nachhause entsorgt. Also gehen wir vor dem Ort Biograd auf Reede und setzten mit dem Beiboot über. Das Hydrauliköl bekomme ich in der Werft, die Medikamente erst am nächsten Morgen in der Apotheke.

 

 

Nebeneffekt: Wir haben eine schöne Nacht draußen vor der Stadt, ruhig sauber und kostenlos, was fast schon ein Tipp ist, wenn man die ansonsten etwas vergammelte Touristenmeile in Biograd und die happigen Preise in den beiden Marinas kennt. Clemens will ab Dienstag Mittagmit einer Kojen- Chartercrew, bestehend aus 4 Mann unterschiedlichster Nationen Europas (das ist das Europa, was ich mir wünsche!!!) auf einen Ausbildungstörn gehen. Aber das Schiff ist wohl noch nicht fertig (vielleicht wegen „Hirnverbrannt“), sodass wir uns erst verabreden können, wenn sie ausgelaufen sind.

 

 

Wir gehen Anker auf am Dienstag, 11.7.  nach Kakan bei Kaprije in die Bucht mit den freundlichen Restaurants (im Gegensatz zu der Bucht mit dem unfreundlichen Restaurant!). Das Ambiente dort ist traumhaft! Es gibt doch immer wieder Plätze hier, an denen wir noch nicht waren und die uns neu überraschen. einziger Vermutstropfen: Die Macchia ist derart dicht um das Lokal herum, dass selbst unsere kleinen Hündchen keine Lust haben, ihre „geschäftliche Besprechung“ in der Umgebung abzuhalten. die chinanten kleinen Mädchen „können“ nicht auf festem Untergrund, in Nähe anderer Menschen oder auch in zu dichtem oder unübersichtliche, Gelände 😉 …. Ich fahre mit Ihnen mit dem Gummischwein auf ein kleines Eiland gegenüber. Dieses hat eine kleine Mole, an der ein halbfertigen Kahn fest vertäut auf seine Vollendung zu warten scheint, ein Min Mini Strand 4x10m! ist inclusive aufgespanntem „Karlovačko“ Sonnenschirm im Wasser und einem kleinen Weg, der sich zu einem halbfertigen Stein- Rundhäuschen im Inneren des Inselchens windet, genau das richtige AMBIENTE, in dem die Hündchen ihr Geschäft verrichten können. Manchmal kommt man mit Hund an Ecken vorbei, an die man ohne nicht gekommen wäre 😉 jedenfalls mutet das Ganze sehr seltsam „abgebrochen“ an.

 

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Das Babaloo auf Kakan

Am Mittwoch, 12.7. verlassen wir Kakan und gehen weiter Richtung Süden nach Rogoznica. Der Pirat ist uns auf den Fersen, aber dadurch, dass wir früh schon losgefahren sind, kann er uns in Kakan nicht mehr erwischen. Wir motoren gegenan, er kreuzt (als Segellehrer standesgemäß), muss aber wohl Süden aufgeben und läuft nach Sibenik ab. In Rogoznica gehen wir an die Stadtmole, nicht in die Frapa, um den Geldbeutel zu schonen und um die Lokale direkt vor der „Haustüre“ zu haben. Ein abendlicher Blick in den Wetterbericht erzeugt beim Skipper keine Hochstimmung: Die angekündigte „Störung“ mit Bewölkung, Gewitter und der üblichen anschließenden Bora dauert keine zwei Tage, sondern vier und bringt deutlich mehr Wind als angekündigt. Der nächste Tag würde zwar vergnügliches Segeln verheißen, aber der Crew gefällt es an der Stadtmole so gut, dass wir beschließen, das Wetter hier auszusitzen. Die Fahhräder werden ausgepackt und die Batterien geladen, auf der Überfahrt haben wir unser erstes Wasser produziert während der Motor lief und Amelie und ihre Freundin Lotte radeln über die Straßen des Ortes.

 

 

Donnerstag, 14.7. Erster Hafentag in Rogoznica. Der Ort ist einen Anleger wert. etliche Lokale buhlen um die Gunst des Publikums, die meisten haben ein Niveau erreicht, das mit heimischen mediterranen Lokalen mithalten kann. Okay, wer unbedingt Schnitzel, Braten oder Saucen will, ist auch hier falsch, aber die mediterrane Küche bietet neunmal in erster Linie Kurzgebratenes oder frische Gemüse und Salate, was eben mit dem Klima zu tun hat.
Das Wetter war wie angekündigt „segelbar“ und der Wind ließ gegen Abend auf fast Null nach: Genug Zeit, um noch „ums Eck“ nach Trogir zu laufen. Wir hatten uns entschieden, hier zu bleiben, zumal die Hunde hier auch einigen Grün- Auslauf erhalten. Abends verwandelt sich, im Gegensatz zu gestern die Promenade in eine Partymeile. eine Flottille von Sun Sailing hat neben uns Station gemacht und verbrennt jede Menge Testosteron. Ich erinnere mich: Als ich im Alter der Feiernden war, habe ich wunderschöne Zeiten erlebt mit meiner ersten selbst verdienten Jolle, die ich mir quasi vom Mund abgespart hatte. esbit – Kocherchen, einem Kanister Wasser und einer Flasche Maraschka- Slivovitz ging es von Sibenik aus in die umliegenden Häfen. Welcher „Life-Style“ der bessere mit mehr „Fun“ ist, möchte ich nicht ergründen…..

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Sommertörn ab 9.7.2016: mal wieder vier Wochen an Bord Teil 2

 

Gedanken zum Törn:

Mein erster und zweiter Eindruck auf diesem Törn: Die Inselwelt Dalmatiens bleibt ein Sehnsuchtsziel, das sich weniger aus den konkreten Annehmlichkeiten, der gebotenen Topografie oder dem Wettergeschehen speist, sondern sich nur dem erschließt, der sich darauf einlässt, in eine andere Welt einzutauchen, der das Ufer hinter sich lässt und die Sorgen und Nöte des zivilen Lebens. Sicherlich hat das Revier Mängel, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Aber wer noch den Virus der frühen Jahre in sich trägt und in der Lage ist, sich zu erinnern, die Ursprünglichkeit erlebt hat und die natürliche Freundschaft, die die Menschen hier den Fremden, vor allem den Deutschen entgegen gebracht haben, der versteht besser, mit welchen Veränderungen dieses Land umgehen muss. Wir erleben, wie Orte sich verändern, die Städte sich herausputzen und der Luxuspegel langsam steigt. Dennoch steht die einheimische Bevölkerung geduldig daneben und nimmt diese Veränderung stoisch zur Kenntnis. In den Häfen werden die Farben der Flaggen bunter, die Vielfallt wird größer, Yachtweek und Charter- Unternehmen bieten, geteilt durch eine große Anzahl Gäste pro Schiff den Luxus eines Traumurlaubs schon zu Jugendherbergspreisen an, währenddessen Osteuropäer, der slawischen Sprachverwandtschaft wegen hier ein neues El Dorado gefunden haben, das Ihnen die Gelegenheit bietet, ihren meist neuen Reichtum vor den „alten Europäern“ gebührend zur Schau zu stellen.  Orte, die ich vor 30, 20 und 10 Jahren besucht habe, sind kaum wiederzuerkennen, während andere Flecken noch so da liegen, wie sie mit dem Porträt von Tito an der Wand in grauer Vor-Zeit darnieder lagen. Aber soll ich diese Entwicklung bejubeln, beklagen, oder ebenso wie wohl die meisten Einheimischen hier mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen? Ich weiß es nicht, aber eins ist mir klar: das Dalmatien der frühen Jahre gibt es nicht mehr real, man kann es mit Mühe noch erspüren, es erschließt sich aber nicht auf Anhieb, sondern nur dem, der es sehen will. Ergeben wir uns also zeitweise an dem einen oder anderen Ort der Party, die offensichtlich global ausgerufen wurde, egal ob Kroatien, Karibik, Südsee oder sonst, wo Inseln von warmem Meer umgeben sind, mit einem Lächeln, die nächste ruhige und ursprüngliche Bucht ist hoffentlich nur eine kurze Tagesreise entfernt! 

Gedanken zum Törn II:

Ebenfalls mit Erstaunen zur Kenntnis nehme ich das Verhalten auch meiner eigenen Tochter und ihrer Freundin. Gewiss: Zwischen ihr und mir liegen mehr als eine komplette Generation. Sie könnte fast meine Enkelin sein. Die Art mit neuen Medien umzugehen bleibt mir insofern fremd, als ich mich derer zwar bediene, aber mit allen Schwierigkeiten und Pannen, die es mit sich bringt, wenn man mit Ende 50 Blogs schreibt, bei Facebook aktiv ist oder sich Wetter, Segel- Gruppen oder Chats über Schiffstechnik zu eigen machen will. Ich bin ein analoger Mensch aus Fleisch und Blut, dennoch bediene ich mich der technischen Neuerungen, ich hoffe, ohne Ihnen zu verfallen. Unsere „Gäste“ an Bord, die beiden 15jährigen Mädchen überfordern mich. Wo ist ihre Neugier, ihr Erstaunen und ihr Logischer Verstand, der die Fragen produziert? Ich warte auf diese Fragen, die mir mein Ältester, heute Ende Zwanzig, noch mit 15 gestellt hat: Über die Segelstellung, den Wind, Navigation oder Land und Leute. Heute ist alles, knapp 15 Jahre später, schon wieder völlig anders. Wo gibt es W-LAN? Was ist am nächsten Ziel los? Usw….

Die Kinder heute sind nicht aufmüpfig, was äußerst angenehm ist, aber dennoch finde ich keinen „Draht“ mehr, keinen Zugang zu Ihnen. Das Smartphone und die Community sind allgegenwärtig. Daran, dass der heutige Mensch, auch im Angesicht phänomenaler Sonnenuntergänge und phantastischer Sternenhimmel und Gesprächspartner aus Fleisch und Blut direkt gegenüber bei dem Aufkeimen irgendwelcher Meinungsverschiedenheiten in die digitale Kommunikation flüchtet, habe ich mich gewöhnt. Aber dass die heute 15Jährigen der permanenten Gefahr ausgesetzt sind, über der digitalen Welt die real existierende zu vergessen, auszublenden, macht mich nachdenklich. Meine Erfahhrungen als dreifacher Vater haben mich gelehrt, dass ab diesem Alter spätestens lediglich noch eine Begleitung, aber keine „Erziehung“ im eigentlichen Wortsinne mehr möglich ist. Dazu braucht es aber Zeit (die wir alle zuwenig haben) und einen Zugang zu dem, was die Jungen interessiert (was bei Vätern generell schon nur eingeschränkt funktioniert). Worüber ich in Rage gerate, ist, dass der digitale Mensch Konflikten jederzeit aus dem Weg gehen kann und sich alternative Gesprächspartner über das Problem finden, die omnipräsent vernetzt, jederzeit und überall zur Verfügung stehen. Der analoge Mensch kämpft also, egal wo, auch im letzten Winkel Europas und auf See (wo sich alles sowieso schon dicht und auf engstem Raum abspielt) gegen Windmühlenflügel, oder besser, gegen die digitalen Phantome, die jedes Gespräch zu begleiten scheinen, im Dunkeln, nebenbei und dem Gegenüber verborgen…. Was übrigens nicht mehr nur für junge Heranwachsende gilt, sondern für alle, die an der großen Community teilnehmen. Ich merke eines: Es sollte ein Kommitment geben wenigstens zwischen den Mitgliedern der engeren Familie oder der mitsegelnden Crew, auch und gerade an Bord, auf die Anwesenheit virtueller alternativer Gesprächspartner zu verzichten, solange man den Eindruck hat, es könnte den Anderen stören oder ihn brüskieren. 

Warum ich das hier thematisiere? Der simple Weg, sich dieser Entwicklung wenigstens zeitweise zu entziehen, ist, sich möglichst weit von einer Küste weg außerhalb des Einflusses irgendeines GSM- Netzes zu verholen. Aber während ich dies schreibe, fällt mir auf, dass die Daten zu diesem Blog ebenfalls über das Netz den Weg zu den Lesern bzw. „Followern“ finden…..

Der Traum vom weitgehenden Leben an Bord ist verbunden mit diesem Phänomen der Digitalisierung aller Lebensbereiche: Nützlich für die Lösung vieler technischer oder navigatorischer Probleme an Bord, gefährlich, weil durch die Abhängigkeit unserer Generationen der Wunsch, dies alles hinter sich zu lassen verblasst. Es muss ein „Sowohl als auch“ gelingen: Kontakt halten, ohne abhängig zu sein! 


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Eine Woche „entspanntes Frühjahr“

Mai- Törn mit Esther und Roland und Peter „Dudie“, dem Funkamateur. Roland hatte etwas, na, nennen wir es „Bedenken“, weil er noch nie auf dem Wasser war. Dudie ist als Mitsegler ein alter Hase und hat als Pensionär seit kurzem auch Zeit. Er will mir die Funke und die Antenne „mal abstimmen“, was ja nach der Restauration in Pula noch nie passiert ist. Er kommt gleich mit einer eigenen Antenne, etlichen Kabeln und sogar seiner Morsetastatur an Bord. Dann kann ja nichts schiefgehen, zumal  Roland auch noch Elektromeister ist. Esther ist Petras Cousine und als Polizistin eine echte „Anpackerin“, Dudie ist ihr Ex- Kollege, somit wäre auch für die Sicherheit gesorgt.

Am ersten Tag machen sich die beiden Männer sofort über die Funkanlage her, verbauen Antenne und Morsetaste, es regt sich etwas im Lautsprecher, …..alles okay! Jetzt mal die Achterstagantenne versuchen: im Kurs bei TO hatten wir die Empfehlung erhalten, dass bei Ketsch- Takelung eigentlich nur eine separate Antenne funktioniert. Über das Achterstag würde der Empfang deutlich verlieren. Als wir provisorisch einen Verbindungsdraht zum Gerät gesetzt haben, vermeldet Dudie einen super Empfang! Damit erübrigt sich weiterer Installationsaufwand, nur die Isolation sitzt backbordseitig verkehrt. Bei Gelegenheit müssen die beiden Achterstagen getauscht werden. Kein Akt, aber zu kompliziert jetzt für die eine Woche. Also laufen wir am nächsten Tag aus.

Das mulmige Gefühl von Roland verliert sich schnell auf den ersten Kabellängen, zumal die Wetterbedingungen mal wirklich außergewöhnlich optimal sind: Sonne, 20* Grad und moderater Wind zum dahin gleiten. Wir nehmen den Weg nach Norden um Ugljan herum in die Inselwelt der Kornaten. Erstes Ziel ist Sali. Unterwegs ist der Jockel mal aus und mal an, aber zum Eingewöhnen genau das richtige. Das erste Mal scheint auch alles in Ordnung, die ToDo Liste ist kurz und auf fällige Wartungen beschränkt. Es sind auch noch sehr wenige Schiffe unterwegs, sodass sich frühes Auslaufen nicht lohnt, man findet immer irgendwo ein Plätzchen. Auch die Liegegelder bleiben im Rahmen. An der Pier vor der Cocktailbar hält sich das Nachtleben noch in Grenzen zu dieser Jahreszeit. 

Am nächsten Tag wollen wir mal durch das Naturschutzgebiet segeln. Als Ziel wählen wir Smokvica Vela, das immerhin abends schon fast voll ist, jedenfalls ist die Mole belegt und wir erhalten mal wieder die letzte freie Tonne. Im Juli brauche ich das garnicht mehr versuchen, dort hin zu gehen. Auch diese Abgeschiedenheit gefällt unseren Gästen richtig gut. Das beste Kompliment bekommen wir, als Roland sagt, dass er jederzeit wieder mit uns auf Tour gehen würde! 

Von Smokvica aus will ich der Crew mal ein Stück Kroatien zeigen, das man sonst nur mit den Touriedampfern erleben kann: Eine Fahrt durch den Krka- Kanal zu den Wasserfällen. Wir landen in Skradin, das sich jetzt im Mai ebenfalls von seiner besten Seite zeigt. Alles ist grün und saftig, das Wasser klar, auch die Wasserfälle habe ich noch nie so viel Wasser führend gesehen, ein tolles Schauspiel! 

Der nächste Tag wird mit knapp 9 Stunden der längste Fahrttag auf dem Törn. Von Skradin geht es zurück nach Zadar. Als wir an Murter vorbei segeln, kann ich die Bucht einsehen, an der ich als junger Mann mit offener Kieljolle einst vorbei kam um Freunde aus Hersfeld zu besuchen, die dort jedes Jahr campierten. Der Campingplatz scheint sich seine Ursprünglichkeit erhalten zu haben, allerdings sehe ich ein festes Waschhaus und anstelle des Feldweges, der sich abenteuerlich den Hang hinunter als Ufer schlängelte,  führt nun eine befestigte Straße zum Autocamp. In Zadar sind wir mit indem weiteren jungen Kollegen von Esther und seiner Familie verabredet. Bei einem gemeinsamen Abendessen laden wir die Familie zu einer kurzen Segeltour ein, die abends in der Olive Island Marina endet. Die FGöste nehmen die Fähre zurück nach Zadar. Ein entspannter und in jeder Hinsicht gelungener Törn!

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Zusammenfassung 2015

Das Jahr war geprägt von Auseinandersetzung mit der Versicherung, Gutachtern und Firmen , die den Schaden durch Blitzschlag wieder richten sollten. 

Zunächst die gute Nachricht: Die Versicherung hat nach der Begutachtung schnell und korrekt bezahlt. Die schlechte Nachricht: Die Prämie sollte ab Herbst erheblich steigen. Es war ein Angebot, das keins war: „Wir wollen Sie nicht mehr, aber wenn Sie unseren utopischen Preis bezahlen, dann lassen wir Sie drin!“ (natürlich nicht so formuliert). Aber der Reihe nach:
Zum Jahreswechsel 2014/15 schrieb ich ja noch, dass das die Versicherung locker übernimmt. Dass dem nicht so war, erfuhren wir erst im Herbst, als die neuen Policen eintrafen. Zunächst sollte aber ein Gutachter den Schaden ansehen. Ich schlug Herrn Rebulla sr. vor, das Unternehmen kannte ich schon von der Übernahme des Schiffes 2010. Dem netten älteren Herrn schilderte ich mein Problem, woraufhin er mir gleich sagte: „Das erledige ich in einem Aufwasch mit den Anderen, ich muss an Eurem Steg ein halbes Dutzend Schiffe wegen der gleichen Sache begutachten“. 

Also Termin koordiniert, runter zum Schiff, mit Tomi, dem Chef der Service- Firma in der Olive- Island Marina und Herrn Rebulla alles durchgegangen und den Schaden ermittelt. Wieder vergehen Tage auf dem Schiff nur mit Handwerkern und Dienstleistern. Am Ende machte die Rechnung an die Versicherung mehrere 10k Euro aus: 

Austausch sämtlicher Elektronik, der Navigations- Instrumente, des Bus- Systems, diverser elektrischer Aggregate wie Radarkomponenten, Loggeber, Ladegeräte vom Windgenerator und der Solarmodule. Etliche Kabel mussten neu gezogen werden und die Batterien waren zum Teil hinüber. 

Alle Beteiligten waren allerdings auch sehr bemüht, uns zufrieden zu stellen, angefangen vom Gutachter, über den Serviceman Tomi bis zu Christian Keller von Simrad/Nauticpool. 
Dennoch, den Lieferzeiten der unterschiedlichen Komponenten geschuldet dauerte es bis zum Hochsommer, bis alles einigermaßen in Ordnung war, wobei sich das Batterie- Problem erst als solches herausstellte, als wir wieder an Bord endlich mal auslaufen wollten und sich die (fachmännisch getesteten!) Batterien sofort auf unter 10Volt entluden und sich auch nicht mehr laden ließen. So große Gel- Batterien zu beschaffen dauerte wieder 4 Tage. Der Einbau wurde nur provisorisch vorgenommen, weil ich die Dinger schon lange aus dem Maschinenraum heraus haben wollte. Sie sollten zukünftig auf die Steuerbordseite, wie ursprünglich in den Plänen vorgesehen, damit auch die leichte Schlagseite nach Backbord korrigiert ist. Dies wurde dann auch im Herbst noch von Tomi und seinem Team erledigt. 
Zum Glück ein Maklervertrag!

Die Versicherung, bei der ich unter Vertrag stand war über das Maklerbüro Schomacker aus Hamburg zustande gekommen. Ich hatte seit 2001 und dem vorherigen Schiff immer den gleichen Vertrag und nie größere Schäden abgewickelt. Den Schaden an der Bordwand vor 3 Jahren hatte ich wegen mangelhafter Ausführung garnicht in voller Höhe abgerechnet, die Versicherung mithin an mir einige tausend Euro eingespart. Jetzt kündigte mir diese Versicherung den Vertrag. Erbost rief ich bei Schomacker an und fragte nach einer Alternative. Keine zwei Wochen später hatte ich einen sauberen anderen Vertrag mit nahezu gleichen Bedingungen von einem anderen Anbieter in der Post, mit dem nun auch der Wertzuwachs durch die Restaurierungsarbeiten der letzten Jahre und der Schadenfreiheitsrabatt stressfrei ausgehandelt werden konnte. 
Man sollte optimistisch bleiben: uns ist nun in 5 Jahren so gut wie alles passiert, was einen als Eigner treffen kann, vom Maschinenschaden über Blitzschlag bis zu räuberischer Erpressung ausführender Handwerksfirmen und versuchter Abzocke der Versicherung. Deshalb: Mit neuem Elan auf das nunmehr top ausgestattete und voll einsatzfähige Schiff!
Arbeitsbedingt (Verkaufsverhandlungen wesentlicher Teile meiner Firma) fiel dann aber die Zeit an Bord dürftig aus. 10 Tage blieben im Sommer nach dem Batteriewechsel noch für einige Buchten und Häfen Dalmatiens übrig, die wir aber sehr genossen:
Telaščica Bucht:

Ein idyllisches Fleckchen ganz hinten in der weiten Bucht und als Ankerplatz ideal. Aber: Das Restaurant Goro können wir nicht weiter empfehlen! Uns war sogar schlecht von dem Essen. Vollkommen unverständlich finden wir, dass es bei dem Preis/ Leistungs Verhältnis noch so hoch gelobt wird. Wir werden das nächste Mal den Hippie 1,5sm weiter südöstlich besuchen, das scheint mir Fahrtenseglers Alternative zu sein 😉

Muline im Norden von Uglijan:

Mit einem Freund aus Jugendtagen waren wir dort verabredet. Stefan und seine Familie leben inzwischen in München und machen die Nordadria mit ihrem 20 Jahre alten 50ft. Motorboot, Typ klassischer Backdecker mit viel Raum an Deck, ohne die bescheuerte Flybridge und einem gemütlich blubbernden LKW Diesel US- amerikanischer Bauart unsicher. 
Unsere Töchter haben sich gleich gegenseitig beschnuppert und sind mit Luftmatratze und Stehbrett auf Besuch geschwommen, allerdings nicht berücksichtigend, dass inzwischen der Nachmittags- Mistral ordentlich zugelegt hatte und die schwimmenden Untersätze vertrieb. Der Versuch der Kinder, hinterher zu schwimmen, schlug fehl, die Matratze war schneller und trieb Richtung Ufer. Völlig außer Atem kam Amelie dann weit abgetrieben an der Matratze an. So kann ganz schnell aus Spiel auch mal ernst werden. 
Die Bucht eignet sich im übrigen sehr gut für Durchreisende Yachten zum frei Ankern. Etwas Versorgung gibt’s in einem kleinen Laden im Dorf, 15 Gehminuten von der Anlegestelle die Straße rauf. Ein kleines Fischlokal direkt am Ufer hat ordentliche Qualität zu akzeptablen Preisen. Kassiert wurden wir vor eigenem Anker nicht. Bojen gibt es allerdings ebenfalls. 
In Sibenik haben wir übrigens das Permittier geholt. Anlegen an der Mole war eine heikle Angelegenheit, der Schwell ist gefährlich und man muss richtig Leine lassen, damit das „Boot spazieren gehen kann“. Das neue Procedere ist unproblematisch, wenn auch die Kurtaxe ärgerlich ist für Dauerlieger wie uns. Eine Leistung steht da nicht hinter, und ich frage mich, ob so etwas innerhalb der EU überhaupt statthaft ist. Naja…. sie haben das Monopol auf die Inselwelt….

Unser Freund Stefan hat mal Bilder von Stenella unter Segeln geschossen, solche Fotos gibt’s ja selten, danke 😉

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Saison 2014: Zusammenfassung

2014: Ein Standortwechsel, technisch störungsfreie Wochen und ein Blitzschlag

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Aufgrund verschiedener kleiner Törns in der dalmatinischen Inselwelt, einer Überführung im Frühjahr und der Entscheidung, mit Stenella noch in Kroatien zu bleiben, fasse ich besuchte Orte und Gegebenheiten zusammen und erzähle eher grundsätzlich über unser Seglerleben in der Saison 2014:

Zunächst:
Wir müssen den Gedanken, unseren Lebensmittelpunkt in nächster Zeit immer mehr auf Stenella zu verlegen, erstmal für einige Jahre hinten anstellen. Zum Einen liegt es an dem Umstand, dass meine jüngste Tochter mit 13 den Wunsch hatte, zu uns zu ziehen. Die Schule in Bayern war zu schwer und so musste sie, um noch aufholen zu können, nach Hessen zurück.
Aber auch beruflich lief es nicht so glatt. Es gab Gründe, die Firma nicht sofort dem Junior und meinem langjährigen GF zu überlassen. Ich hätte die Mittel, um unabhängig zu sein aufs Spiel gesetzt. Mehr kann ich mal dazu schreiben, wenn einige Zeit vergangen ist. Mein Sohn verhält sich grossartig und ist eine enorme Stütze.

Das nächste Mal auf das nun fast perfekte Schiff sind wir dann im Mai gekommen, um von Seget nach Zadar zu verholen. So schön, wie es in Trogir war, so gab es einen sehr guten Grrund, noch einmal zu wechseln: die Marina Baotič hat keinen Travellift, der die Ketch ohne Mast legen aus dem Wasser bringt, sondern nur einen Kran. Das soll sich zwar ändern, aber das Unterwasserschiff sollte ja noch dringend mit Coppercoat behandelt werden, was wieder eine gründliche Arbeit erforderte. Den Travellift und eine Marina, die ebenfalls ein Top- Wohlfühl Ambiente liefert, fanden wir gegenüber von Zadar in der Olive Island Marina auf Uglijan in Sutomisćica. Und weil die Flugverbindung von Kassel aus schon wieder eingestellt wurde, fiel der Abschied leichter.

Wir brachten Stenella also in einem entspannten Überführungstörn nach Sutomisćica. Dort wurde das Coppercoat unter der kundigen Aufsicht von Friedhelm aufgebracht. Seit Juli liegen wir dort jetzt fest.

Den Sommer nutzten wir, um die nähere Umgebung zu erkunden:
Wir hatten erstmal Bedenken wegen der Zeit Ende Juli bis Mitte August, wegen des heißen und gewittrigen Klimas und wegen den überfüllten Hot Spots. Die Bedenken wegen der Überfüllung trafen nicht in vollem Umfang zu, aber das Wetter spielte verrückt, wie ich das noch nie erlebt habe. Kaum eine Periode von mehreren Tagen ohne einen Squall dazwischen und Wind satt aus allen Richtungen. Der Mistral ließ sich nur selten blicken.

Landin Bucht: Eine recht idyllisch gelegene Bucht im SW von Pašman. Zwei Konobas haben sich dort niedergelassen. Eigentlich sollte man annehmen, dass die Bojen dort, die vom Konobar kassiert werden, für die Restaurantgäste frei sind. Nicht so hier! Wir sind abends wie selbstverständlich zum essen zu dem Lokal gegangen, der unsere Boje gehört. Das Essen war nahezu ungenießbar, alles hier ziemlich schmuddelig. Dennoch ein ganz hübscher Flecken, um das abendliche Bier zu nehmen. Nur das Essen kann man sich umso mehr schenken, als nach der Rechnung für den Verzehr auch noch (schön separat quittiert!) das Liegegeld für die Boje fällig wird: In unserem Fall 180 Kn!

Skradin/ Krka: Es ist immer wieder eine grossartige Kulisse, den Fjord bis nach Skradin zu fahren.
Die Seglerkneipe haben wir vergebens gesucht, sie ist geschlossen worden. Dafür gab es sehr gut gemachten Jazz direkt vor dem Marina- Lokal. Kulinarische High Lights haben wir ebenso wenig entdeckt. Dafür gab es Bruthitze, Gewitter, Sturm, Hagel, Sonnenschein und Kälte, alles in nur 36 Stunden.

Prvič Luka: ein Inselhafen vor Sibenik, der ganz niedlich aussieht, eine restaurierte Mole hat und deren Sanitäranlagen auf der Mole von aussen nicht luxuriös aussehen. Wir waren zweimal dort. Beim zweiten Besuch war man „voll belegt“, auch an den Bojen. Es Blues mit gut 25-30kn. Und man scheuchte die aussen liegenden Ankerlieger weg, weil angeblich die Fähre sonst nicht durchkäme. Ich fand, da wäre reichlich Platz gewesen, aber nunja.

Wir sind dann nach Kaprije ausgewichen. Nicht in die Hauptbucht, sondern an ein Bojenfeld einer Konoba auf der anderen Seite der Insel, offensichtlich noch so etwas wie ein Geheimtipp, weil die Hälfte der Bojen leer waren. Das Essen war okay, die Nacht ruhig, das Ambuente des Fleckens ursprünglich, der Konobar ausnehmend freundlich.

Kaprije selbst statteten wir auch mal wieder einen Besuch ab wegen der „karibisch“ anmutenden Strandbar im hinteren Eck der Bucht, wo man unter Strohschirmen und mit einem Caipirinha in der Hand wunderschöne Sonnenuntergänge ansehen kann. Der Ort selbst hat sich in den letzten Jahren aus einem verschlafenen Nest zu einem betriebsamen kleinen Touristenort entwickelt.

Smokvica Vela: die kleine Inselbucht ist längst zum gefragten Hot Spot avanciert. Es war schwierig, einen Platz zu finden. Nur weil ein Boot nicht kam, das reserviert hatte, haben wir eine Boje erwischt. Der Anker hält weiter draußen nicht gut und es wird schnell tiefer. Das Lokal einlaufend rechts hat sein Angebot deutlich erweitert, aber man muss Lust auf Fisch oder gegrilltes Fleisch mitbringen.

Durch die Kornaten: Wir waren ja einige Jahre nicht mehr innerhalb der Kornaten und abkassiert wurden wir auch lange nicht mehr. In Smokvica (an der Restaurantboje!) aber dann doch. Also leisteten wir uns auch die Durchfahrt durch das kahle Archipel. Ein bisschen wie Edersee- Feeling, nur eben „in groß“: Wind aus wechselnden Richtungen und in unterschiedlichen Stärken erfordert hohe Aufmerksamkeit. Trotzdem hatten wir die Segel gesetzt und es lief zeitweise sogar flott. Im letzten Drittel dann passierte mir das Malheur: ich bekam beim Sprung ins Cockpit den Baum vor den Kopf! Ich Dussel! Platzwunde, viel Blut, aber es hörte auch nach einiger Zeit wieder auf. Mir war auch nicht schlecht, also keine bleibenden Schäden. Nur der Schreck saß mir in den Gliedern. Was da hätte passieren können!

Sali:Ein Plätzchen direkt vor der Bar „Maritim“ ist noch frei. Tagsüber sind hier die besten Plätze, nachts jedoch ist der Musiklärm Ohren betäubend. An diesem Tag stand allerdings der ganze Ort Kopf durch eine Art Fischerfest mit „Grill- Meile“, Live- Bühne (, die abends gegen die Disco- Musik der Bar kämpfte) und einem Bootscorso durch den Hafen. Die männliche Dorfjugend fuhr in geschmückten Fischerbooten laut mit allerlei Krach machenden Trööten und Schlaginstrumenten hinter den Mädels her, wohl in werbender Absicht. Die Mädels kreischten und sangen und sämtliche Boote waren mit pyrotechnischen Ausstattungen bewaffnet. Es rauchte und spie im ganzen Hafen. Nach mehreren Runden, die von der umstehenden Menge beklatscht wurden, landeten die Boote vor der Bühne und es würde anschließend bis in die Morgendämmerung gefeiert.

Veli Rat: eigentlich hatten wir diese Marina wegen ihrer sehr zivilen Preise auch mal als Standort in Erwägung gezogen, aber durch das Fehlen jeglichen Services dann doch nicht gebucht. Eine Entscheidung, die sich nun für uns als richtig herausstellte. Diese Destination lässt dich treffend als „einsam“ bezeichnen. Ein kleiner Laden, zwei Lokale, etwas „Dorf“ ohne Ambiente, das ist alles. In den Wintermonaten möchte man hier sicher nicht „tot über dem Zaun hängen“. Hinzu kommt die weite Anreise mit der Fähre bis Sali und dann noch über ganz Dugi Otok bis zum Hafen. Ohne Auto geht auch versorgungstechnisch hier gar nichts.
Immerhin hat die Pizza einigermaßen geschmeckt, die eines der beiden Lokale anbietet. Für eine Nacht ist eher das Ankern in der weitläufigen und sicheren Bucht zu empfehlen.
Der Blitzschlag: 

Im Herbst bekam ich eine Mail aus der Marina: Die nächste Hiobsbotschaft kündigte sich an. Eines der Nachbarboote ist während eines Gewitters vom Blitz getroffen worden. Es sei damit zu rechnen, dass auch Nachbarboote beschädigt oder in Mitleidenschaft gezogen seien. Wir hatten sowieso geplant, noch einmal vor dem Winter vorbei zu schauen und einen kleinen Herbsttörn zu machen, wenn das Wetter mitspielt. Als wir ankamen die Überraschung: Ausfall von
-Kartenplotter Tochtergerät
-Autopilot
-Sat- Telefon
-Batterie Controller
-Steuergerät des Windgenerators
-Teile des Instrumenten- Bussystems
An Auslaufen war unter diesen Umständen nicht zu denken und ich musste erneut Reparaturen organisieren. Immerhin: Blitzschlag ist versichert und es wird nicht einmal zurück gestuft. Aber der Ärger! Irgendwann soll ja mal Ruhe sein und alles funktionieren …

Zwei Dinge stehen auch immer noch auf der ToDo Liste: die kleine Kutterfock anschaffen und den Holepunkt dafür festlegen und montieren, sowie eine neue Ankerkette mit 100m. Länge besorgen.
Aber das läuft erst zur Messe. Beilken hat da ja wieder enttäuscht, weil die sich nach der Retournierung des nicht passenden Segels nicht mehr gemeldet haben….

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3.-10. Oktober 2013: Arbeitswoche für das Finish

Der neue Flughafen Kassel Calden macht’s möglich. Aus der Haustür raus und 4 Stunden später am Schiff. Theoretisch. Wir haben eine Stunde Verspätung. Aber immerhin ….

Unser Freund Friedhelm ist mit dem VW- Bus und den Ersatzteilen vorgefahren und erwartet uns schon in Trogir.

Unser Pensum:

1. Montage des neuen Warmwasser- Boilers.
2. Demontage des „fliegend“ (von SPR in Pula) montierten Auspuffs und Wassersammlers und Austausch gegen einen geeigneteren Sammler. Montage des Auspuffs „hinter“ die Maschine. Dadurch richtiger Schwanenhals, keine Schwingungen im Rohr.
3. Fertigstellung der Montage des Wassermachers. Einbau der Klappe, die uns unser Freund Malko in Deutschland auf Maß aus Holz gefertigt hat.
4. Update der EDV, Wetter, Synchronisation der Sat- Telefonanlage mit dem Laptop. Dadurch Wetterdaten greifbar machen. Das Gleiche mit der Funkanlage und dem Pactor- Modem.
5. Tausch des (von SPR falsch montierten) Drahtes auf den Elektrowinschen der Davits gegen ein für diese Art Rollen üblichen Drahtes mit der Eigenschaft, sich in einen engen Radius drücken zu lassen.
6. Montage des wiederum reparierten Steuergerätes des Windgenerators horizontal hinter das Inspektions- Schapp der Elektrik und des Autopiloten unter dem Steuerstand.
7. Besprechung der Rollanlage für die Kutterfock. Termin mit Herrn Weber von Beilken vor Ort.
8. Klärung der Einfuhrformalitäten und des EU- Status mit der Reception.
9. Tausch der Motor- Innendämmung mit neuen Dämmplatten, wo ohne allzu großen Aufwand möglich.

Für 1. hatten wir außer den Auspuffrohren von Motor und Generator auch etliche andere Teile erstmal zu demontieren. Der neue Boiler ist etwas größer, sodass wir hier schon einmal tricksen mussten. Aber er sitzt nun perfekt, hat den richtigen Winkel zum Motor und zum Schiff und gleichzeitig neue nunmehr Hitze beständige Schläuche und Schellen in der richtigen Qualität und Größe. Warum tauscht ein Handwerker, der Schrott vorfindet, diesen nicht aus? Warum gefährdet jemand, der den Auftrag hatte, Gefährdungen zu finden und zu beseitigen, ohne Bedenken seine Kundschaft?? Auch dieser Murks ist jetzt erledigt.
Wir müssten auch 2. eine weitere grob fahrlässige Murkserei von SPR abmontieren und völlig neu installieren: der Auspuff hing lose auf dem Schiffsboden im Weg herum. Das Endrohr, das zu einem V4A- Rohr lief und dort, weil da wohl etwas nicht zusammen passen wollte, was nicht zusammen gehörte (zölliger Querschnitt trifft metrischen Querschnitt), mittels selbst gebastelter Gummidichtung (nicht Hitze beständig!) aufgesteckt. Das Ganze wäre uns sehr bald um die Ohren geflogen. Man stelle sich vor, das Rohr schert ab und das heiße Kühleasser ergießt sich in den Maschinenraum, vielleicht während einer mehrstündigen Motorfahrt …
Wir montierten den Auspuffschlauch um die andere Seite stb. Um den Motor herum in einen Wassersammlers mit flexiblen drehbaren Adapterstücken, sodass die Schläuche in und aus jeder Richtung dort hin anzupassen waren. Dahinter befindet sich jetzt ein ordentlicher fixierter Schwanenhals und ein PASSENDER Anschluss des Schlauches zum V4A Rohr. Das hält jetzt!
Der Wassermachers ist jetzt nach dem System „Friedhelm“ montiert. Alle Hähne, die das System braucht, befinden sich jetzt hinter der Klappe über der Pantry. Bis auf den Kanister zur Aufnahme des Konservierungsmittels, der in der Backskiste lose verlegt ist (weil mit ordentlichem Gefälle nur gearbeitet werden kann, wenn man ihn hochbindet ), ist jetzt alles von der Pantry aus bedienbar: Spülung, Testlauf, Anfahren der Anlage, Abzapfen von Wasser, Profuktion und Abläufen in den Tank, Rückspülung und Konservierungslauf. Alles direkt neben dem Steuerpanel der Anlage. Perfekt! Wir werden ihn (den Watermaker) Friedhelm taufen! Die vom Polsterer in Pula nicht bearbeiteten Stellen am Pantry- Schott haben wir mit einer weißen Kunststoff Fußbodenkachel beklebt. Sieht auch gut aus und passt zu Malkos Holzverkleidung.

Weil wir gesehen haben, dass die Woche wie im Flug vergeht, haben wir die „Luxusprobleme“ wie EDV und Funk hinten an gestellt. Und dann auch prompt nicht mehr geschafft. Gleiches Schicksal wurde den Davit- Winschen zuteil. Die Drähte liegen aber parat für Frühling.

Nr. 6 konnte noch erledigt werden. Nun ist das Steuergerät auch ablesbar und steht nicht, wie von SPR montiert, auf dem Kopf! Klappe auf, und man kann ungehindert an den Kasten. Das Stück Wandverkleidung, was SPR mithilfe seines Hausschreiners dergestalt genial verschandelt hatte, wurde von Unserem Schreinerfreund Malko sowieso nachgefertigt und die Steuerung für den Wassermacher untergebracht. Jetzt sieht das gut aus.

Mit Dem Mann von Beilken, Herr Weber aus Graz, der für die Adria zuständig war, konnte ich vereinbaren, dass er das von SPR vermessene Segel erst einmal zurück nimmt und versucht, es jemandem zu verkaufen, bei dem es passt. Er hat dann das Vorsegeldreieck korrekt vermessen und erstellt ein neues Angebot. Seiner Meinung nach ist die Demontage und die Montage des Kutterstags knapp unterhalb der Saling zwar, anders als von SPR beteuert, kräftemässig möglich, aber
der Aufwand steht nicht im Verhältnis. Entscheidendes Argument: das Segel wird eh nur benutzt, wenn es stärker kachelt. Dann wäre ich froh, es mit wenigen Umdrehungen der Rolle soweit verkleinern zu können, dass es fast wie eine klassische Sturmfock wirkt. Nur um die Schotführung ( jetzt innerhalb der vorderen Unterwanten) gab es Diskussionsbedarf. Die Schot soll jeweils stb. und bb. Auf dem Kajütdach über der Klampe, die sich dort befindet, umgelenkt werden. Also müsste dort anstelle der Klampe oder zusätzlich eine Harken- Rolle montiert werden. Vielleicht mit einer Stshlfeder, wie auf Jollen, nur in „groß“. Trimm gibt’s da nicht mehr, aber wenn die Kutterfock zum Einsatz kommt, bin ich froh, wenn ich nicht allzuviel Vortrieb habe…
Ob ich unter Deck das Kajütdach mittels Platzenkonter verstärken muss, weiss ich noch nicht.

Auch an der „Zollfront“ hab es bis 10.10. noch keine Fortschritte. In der sehr bemühten Reception wurde mir versprochen, bis zum Jahreswechsel die Dinge zu regeln, wenn ich alle benötigten Unterlagen parat hätte. Ich bin gespannt ….

Nebenbei hat schon etwa 1/3 des Motorraums eine neue Dämmung erhalten. Das ist eine Fleißarbeit für das nächste Mal.

Am Rande: meinem Wunsch wurde entsprochen, Stenella über den Winter weiter innen ( nun in direkter Sichtweite zum Marinero- Turm) zu platzieren.

Auch ein Schaden, den ein Nachbar in unserer Abwesenheit an der Bordwand angerichtet hat, wird behoben. Sehr freundlich: Die Marina hat sich entschuldigt, dass von denen nichts an mich gemeldet wurde und kümmert sich um alles.

Einen weiteren Schäden haben wir selbst gemacht: Beim Verholen des Schiffes in eine Box weiter innen ist mir ein Treibholz in die Bugschraube geraten und abgeflogen, als ich gerade mit Rückwärts einparken beschäftigt war. Der Taucher hat gut eine Stunde gesucht und nichts gefunden. Dafür ist ihm ein fetter Oktopus direkt in die Arme geschwommen und er hat den Tauchgang nur mit ein paar Kuna berechnet.

Man sieht: Es geht auch anders! Diese Marina kann ich bis jetzt nur loben.

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